| . | |
|
|
|
| Kritiken - Deutsch | |
|
SONNTAGSGRUSS 7/1989 10.
Saarbrückcr Max-Ophüls-Feslival Eindringliche Bilder Die Preise von Interfilmjury und Hauptjury Das 10. Saarbrückner Max-Ophüls-Festival
ist zu Ende, die Preise sind verliehen. Neben der Haupljury war auch in
diesem Jahr wieder eine evangelische Interfilm-Jury berufen worden. Die
von den beiden Jurys ausgezeichneten Filme wollen wir auf dieser Seite
vorstellen. Eine Kirche mit alter Tradition.
Die Armenisch-Apostolische Kirche", ist in jüngster Zeit durch die
Erdbebenkatastrophe in der Sowjetunion und die Auseinandersetzungen um die
armenische Enklave Karabach wieder in den Blick geraten. Die Armenier und
ihre Kirche haben viele Verfolgungen überstanden, so auch denn Völkermord
nach dem Ersten Weltkrieg, auf dem jetzt die evangelische Interfilm-Jury
beim 10. Saarbrückner Max-Ophüls-Festival mit ihrem Preis für
den Film KOMITAS von Don Askarian aufmerksam machte, der am Leiden und der
Trauer des armenischen Volkes Anteil nehmen läßt. Der
Interfilm-Jury fiel diesmal die Entscheidung für ihren Preistrräger
leicht. Gleich als ersten Film hatte sie Don Askarian’s
KOMITAS gesehen. Der sicherlich schwierigste Film des Wettbewerbs
blieb bis zum Schluß für alle fünf Mitglieder der Jury der
eindringlichste, an dem alle anderen sich messen lassen mußten. In ihrer
Begrüßung formulierte sie ihre Entscheidung so: „Mit
dem Mönch und Komponisten Komitas, der nach dem Völkermord 1915
verstummt ist, nehmen wir Anteil am Leiden und der sillen Trauer des
armenischen Volkes. Das hat Don Askarian mit intensiver Gestaltungskraft
in lyrischen Bildern komponiert. Kompromißlos hält er sein esthetisches
Credo durch“. Der Film erzählt keine stringende Geschichte, sondern
zeigt, wie Don Askarjan es selbst formulierte, „den geistigen Zustand
des armenischen Volkes nach dem Mord an 2 Millionen Bürgern". Der
Film kommt fast völlig ohne Dialoge aus, läßt Natur, Kultur und
Religion Armeniens in langen, statischen Einstellungen für sich sprechen.
Wir sehen dem Mönch Komitas zu, der sich zurückgezogen hat aus der Welt,
Zustände beobachtet, fixiert. Don Askarjan erklärt nichts: „Mein Film
ist nicht zu verstehen, nur zu erleben." Wer sich darauf einlassen
will, sollte alles vergessen, was er vom kommerziellen Film her kennt. Was
ihn erwartet, ist Kino pur - und das verlangt dem Zuschauer einiges ab. Gabi Hartmann |