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| Kritiken - Deutsch | |
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REINISCHE POST, 19 Nov., 1993
Ein
Mann sitzt in seiner kargen Wohnung, fahles Licht dringt durch das
Fenster, alle paar Minuten rattert unmittelbar am Haus eine Bahn vorbei.
Der Mann-Don Askarian nennt ihn einen Flüchtling oder Fremden mit einer
Adresse m Berlin -betritt die Straße, legt mitten im Verkehr das Ohr auf
den Boden, als lausche er in die Ferne; In seinem Zimmer zurück, tauchen
Erinnerungen auf: Die Kindheit, wo Natur und Tod, Frost und Krieg, Armut
und Schönheit bizarre Bilder entstehen lassen, Fetzen von Geschichten,
Allegorien, absurde Collagen, die an die Dadaisten erinnern. Wie Peter Greenaway könnte Askarian von der Malerei kommen, er hat ein Feinempfinden fuer Farben, Kompositionen. Arrangements. Andrej Tarkowskij ist nur scheinbar ein Verwandter: Askarian ist ganz Individualist, Eigenbrödler, unverwechselbar in seiner Beziehung zur Natur, zur Heimat, zu den Menschen, den Erinnerungen und so ist es wohl eine stille Widmung, wenn in der Kindheitsszene auf brennenden Filmstreifen Momente aus Akira Kurosawas „Rashomon" erkennbar sind. Die
Vergangenheit hat bei Don Askarian keine Sprache, nur Bilder,
Bildcollagen: Männer mit Gasmasken und bedrohlichen Sprühgeräten erinnern
an Konstantin Lopuschanskis Endzeitfilme. Wenn sie durch die Gräber
schreiten, fällt die Kapelle in Schutt und Asche, und immer wieder
poltert Geröll die verschneiten Abhänge herunter; Die gepeinigten und
verfolgten Armenier glauben fest daran, daß das Erdbeben von 1988 (das
hier zitiert wird), von der Röten Armee künstlich erzeugt worden sei.
Sie soll auch kurz vorher, im Februar des Jahres, den Pogrom in der
aserbaidschanischen Retortenstadt Sumgait auf dem Gewissen haben. Die
Poesie der Bilden, die Zartheit der Farben machen die Düsternis nicht
heller, schaffen keinen Hauch von Optimismus, helfen aber, das
Unvermeidliche erträglicher erscheinen zu lassen. Askarian hat sich mit „Komitas" und „Avetik" als der bedeutendste armenische Regisseur erwiesen. (Metropol, 18.30 Uhr) H.R.B. |