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LA NUOVA, 11.19.1992
Variety, 21.12.1992

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Film & Fernsehen, 5.93

FILM UND FERNSEHEN, 5.93

Filmwarts, 9.1993

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BZ, 04.11.1993

BZ/66, 04.11.1993

Journal Frankfurt 5-18.11.1993

Berliner Morgenpost, 5.11.1993

Die Tageszeitung, 5.11.1993

FAZ, 12.11.1993

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG, 13.11.1993

Berliner Zeitung, 18.11.1993

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Der Tagesspiegel, 23.11.1993

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Gunther Rohrbacher-List
"Wer kann noch so lieben?"
Der armenische Regisseur DonAskarjan
Seinen neuen Film "AVETIK" hat er unter schwierigsten Bedingungen gedreht.

Im März 1988 lernte ich Don Askarjan und seine Frau und Produzentin Margarita Woskanjan kennen. Die beiden kamen zu­sammen mit einem ebenfalls in Berlin leben­den Armenier nach Ludwigshafen zu einer Veranstaltung zum Thema „Pogrom gegen Armenier - Partnerschaft mit Sumgait?" Ende Februar 1988 hatte sich in der aserbaid­schanischen Retortenstadt Sumgait ein Po­grom gegen die dort lebenden Armenier er­eignet. Mehrere Hundert Menschen wurden dabei auf bestialische Weise ermordet.

Die Ludwigshafener Stadtoberen, den Aseri-Apparatschiks eng verbunden, schwie­gen und wiegelten ab, um wenig später ihre gemäßigte Empörung auszudrücken. Zu we­nig für Don Askarjan: „Einem Mörder könnte ich niemals die Hand reichen", sprach er aus eigener Betroffenheit, denn der Pogrom war durch den Konflikt um die arme­nische Enklave Nagorny-Karabagh ausgelöst worden.

Armenier und Armenierinnen aus allen teilen der Rhein-Neckar-Region hatte der Re­gisseur angezogen. Auch der Südwestfunk Mainz und DIE ZEIT waren präsent und hoben per Askarjans Engagement das für Lud­wigshafen peinliche Ereignis auf eine überre­gionale Ebene.

Im November 1992 kam Don Askarjan wieder in die Kurpfalz. Diesesmal zur Weltpremiere seines neuen Films „Avetik". „Ich habe mehr als 10 Festivals abgesagt, die 'Avetik' haben wollten: Montreal, Toronto, San Sebastian, Hof, Thessaloniki, -und der Berlinale habe ich den Film nicht einmal gezeigt. Bei Mannheim habe ich gespürt, daß hiermit Dr. Michael Klotz ein Mann den Autoren­film unterstützt."

Don Askarjan wurde 1949 in Stepanakert, der Hauptstadt von Nagorny Karabagh, gebo­ren. Nach dem Schulbesuch studierte er von 1967-1973 Geschichte und Kunst in Moskau. Danach arbeitete er zwei Jahre lang als Produklionsassistent und Filmkritiker. Es folg­ten von 1975 - 1977 zwei Jahre Gefängnis we­gen seines regimekritischen Engagements. 1978 folgte die Emigration, seit 1979 lebt Don Askarjan in Berlin.

Von 1983- 1984 wirkte er an der Realisie­rung des Films „Der Bär" nach einer Erzäh­lung von Anton Cechov mit, der auch wiederholt im Fernsehen gesendet wurde. Es folgte von 1985 - 1988 die Produktion von „Komitas", der an mehr als 25 internationalen Festi­vals teilnahm, so in Venedig, Rotterdam, New York und Toronto. Beim Rigaer Arsenal-Festival gewann er - wie auch beim Max Ophüls-Festival - einen Preis.

Als die Weltöffentlichkeit ihr Augenmerk mehr und mehr auf Nagorny-Karabagh rich­tete, folgte ein Dokumentarfilm über Dons Heimat. „Avetik" ist sein neuester Film, ent­standen 1990 - 1992 in Berlin, Nagorny-Kara­bagh und in Armenien, unter teilweise ris­kanten Bedingungen. CoProduzent Eber­hard Scharfenberg vom NDR nennt sie gar „mörderisch'', herrschte an den armenischen Drehorten doch Bürgerkrieg, und dies barg für alle Beteiligten ein persönliches und auch finanzielles Risiko.

„Avetik" erzählt die Geschichte eines ar­menischen Emigranten in Berlin, seine Reak­tion auf die tragischen Geschehnisse wäh­rend des Erdbebens in Armenien und seine Reflektionen über die Geschichte seines Vol­kes, den Völkermord an den Armeniern in der Türkei im Jahre 1915.

Eines Tages klingelte es bei Don Askar­jan in der Niebuhrstraße. Er öffnete die Tür, und vor ihm stand ein Mordkom­missar der Berliner Polizei. Der reichte ihm ein schwarzes Hefl mit roten Ecken aus dem Nachlaß eines armenischen Emigran­ten, der kurz zuvor in Berlin mit sieben un­gewöhnlich präzisen Axtschlägen ermordet worden war. Die Lektüre des Buches inspi­rierte Don Askarjan, „Avetik" in Angriff zu nehmen.

Auszüge aus dem Tagebuch: „Heute sah ich einen Dokumentarfilm über das Erdbe­ben in Armenien. Die Russen haben ihn drehen lassen, um den Westen, vorab die Diaspora-Armenier, zu melken. Eine Frau, tot unter den Betonplatten, ist meiner Mut­ter sehr ähnlich. Habe ich im Schlaf ge­weint? Ist sie noch am Leben? Ich habe kein Geld, es ihr zu schicken. Wie unter Hypnose rannte ich zur Kreuzung und legte mich auf den Asphalt. Die Autos hupten wü­tend, ich aber hörte nur das Rauschen eines kleinen Flusses unter der Erde. Diese stin­kende Großstadt ist mir doch weniger wert als eine einzige Libelle, die so blau, lila, tür­kis ist wie das Spiegelbild des Himmels auf dem Wasser. Wer kann noch so lieben? Im kreisenden senkrechten Flug!"

Don Askarjan nennt Avetik, den Emi­granten, einen „Flüchtling" oder „Fremden" der „eine Adresse in Berlin hat". Der Film mit seinen wunderschönen Einstellungen ist nicht nur eine Erinnerung an den Völkermord von 1915, sondern auch an seine Fortsetzung heute in Nagorny-Karabagh, an der Grenze zu Aserbaidschan, wo der Film gedreht wurde. Don Askarjan schreit auf: „Die zerbombten Gärten mei­ner Kindheit! Die Türken und Russen ha­ben aus meiner Heimat eine Müllkippe ge­macht!"

Die Geschichts-(Völkermord) und die Natur-(Erdbeben)-Katastrophen sehen die Armenier auf derselben Ebene. „Der Groß­teil der Bevölkerung glaubt fest daran, daß das große Erdbeben 1988 von der Roten Ar­mee mit Hilfe der seismischen Waffen künstlich ausgelöst worden ist, als eine Re­aktion auf die Unabhängigkeitsbewegung." In „Avetik" flüchtet am Ende eine Bauernfamilie aus ihrem zerstörten Dorf. Sie schleppt ein Buch, eine Kirchentür und einen Kreuzstein.

Beim Internationalen Film-Festival in Mannheim erhielt der Film von Don Askar­jan und Margarita Woskanjan den Sonder­preis, was die lokale und regionale Presse nur wenig oder gar nicht zur Kenntnis nahm. Ein Film wie „Avetik", der nicht nur poli­tisch, sondern auch ästhetisch wirkt, hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Stattdessen stürzten sich die Feuilletonisten auf den Streifen mit dem größten An­drang, der auch prompt prämiert wurde. Don Askarjan: „Eine große Fete wird ge­macht ... und die abgenagten Knochen -den Künstler - schmeißt man dann in die Ecke... ich finde es unerträglich, wenn die Filmkunst als Alibi für irgendwelche Ge­schäfte herhalten muß."

Der armenische Regisseur wird diesem Trend nicht nachgeben, ihn zeichnet aus, daß er politisch glaubwürdig und mensch­lich integer ist. So wie seine Filme eben, siehe „Avetik".