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| Kritiken - Deutsch | |
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KINO Mit »Avetik« zeigt das Bambi in Gütersloh einen außergewöhnlichen Spielfilm: Mit Bilder von unendlichem Schrecken und von betörender Schönheit, die der armenische Regisseurs Don Askarian schuf, den der Filmkritiker Peter W. Jansen einen »filmischen Ikonenmaler« nennt und den er als solchen in nächste Nähe von Andre) Tarkowskij rückt, da er »die rätselhaftesten und schönsten« Bilder zu einer peotischen Filmsprache verdichtet. Askarian ist - ebenso wie Tarkowskij - ein »Visionär der Diaspora«. Askarian, 1949 in Stepanakert, der Hauptstadt von Berg-Karabach geboren, studierte in Moskau Geschichte und Kunst, erlebte Jahre der Haftzeit in der Breschnew-Ära - und lebt seit 1979 im Westen Berlins: »Avetik« behandelt -metaphorisch, ohne einem wirklich nacherzählbaren Handlungsstrang zu folgen -die Geschichte eines armenischen Emigranten im Westen, zeigt dessen Reaktionen auf die tragischen Geschehnisse in Armenien, seine Reflektion der Geschichte (Völkermord an den Armeniern in der Türkei -1915) - und die Auswirkungen auf die Diaspora-Armenier - vor allem in Berlin, wo »Avetik«, die fiktive Hauptperson des Films, ebenso wie Askarian selbst lebt - oder, treffender gesagt: Eine Adresse hat. Denn beide haben keine wirkliche Heimat gefunden in diesem Exil. Der Film kam 1992 als deutsch/armenische Gemeinschaftsproduktion zustande - unter Bedingungen, die für alle Beteiligten mörderisch waren; produziert wurde wahrend der blutigsten Phase des Bürgerkriegs in Berg-Karabach. Für Don Askarian begann das Projekt schon unter ungewöhnlichen Voraussetzungen: »Eines Tages klingelte es bei mir.«, so erzählt er. »Ich öffnete die Tür: Ein jovialer junger Mann stand da, der sich als Mitarbeiter der Berliner Mordkommission vorstellte. Er reichte mit ein schwarzes Heft mit roten Ecken (made in China). Es gehörte dem armenischen Emigranten N.M., der vor kurzem in Berlin mit sieben ungewöhnlich präzise geführten Axtschlägen ermordet worden war. Es stellte sich heraus, daß er mir sein Tagebuch vermacht hatte. Wir kannten uns kaum. Nach dieser Lektüre kam ich auf die Idee kam, 'Avetik' zu drehen.« Ein Film, der ebenso um das Erdbeben kreist, das Armenien erschütterte, als auch um den Rassimus, an dem »die Mehrheit der Deutschen pathologisch leidet«, wie jener »N.N.« in seinem Tagebuch notierte; es geht um eine Kindheit in den entlegenen Bergen Armeniens. Die vielschichtigen Bilder wirken wie Miniaturen des Glücks - sie sind kontrastiert mit seltsamen Ansichten aus der Großstadt Berlin, die hier fremder erscheint als jenes ferne Land der Erinnerung. Askarians Film wirkt wie ein Fluß von Bildern, seine Ästhetik ist getragen von der Idee Tar-kowskijs, (wie der sie in seinem Buch »Die versiegelte Zeit« zitiert, auf die sich Askarian direkt bezieht): »Man muß von der Poesie lernen, mit wenigen Mitteln und wenigen Worten eine große Fülle von emotionaler Information zu vermitteln. Im Film muß man nicht erklären, sondern direkt auf die Gefühle des Zuschauers einwirken.« Askarians Filmbilder vermitteln meditative Konzentration, der Regisseur gilt als einer der rigorosesten Vertreter eine »Einheit des Ästhetischen und des Ethischen«. »Avetik« wird. gezeigt am 29. und 30.12. um 20 Uhr. Eine Woche zuvor, am 22. und 23.12. ist am »Filmabend der Poesie« Wenders »Himmel über Berlin« zu sehen, zusammen mit »Orphee«, Jean Cocteaus filmische Version der »Sage des klassischen Altertums«, die sich originär mit Poesie beschäftigt Mit Jean Marais. 20 Uhr) |