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| Kritiken - Deutsch | |
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Journal Frankfurt 5-18 November 1993
R.: Don Askarian; Armenien/BRD 1992; mit Alik
Assatrian, Mikhael Stephanian, Karen Ganibekian u.a. Der armenische Künstler Avetik lebt als Flüchtling in Berlin oder vielmehr, wie es der armenische Regisseur Don Askarian nennt, »er hat eine Adresse in Berlin.« Und was für eine! Seine winzige Wohnung liegt direkt neben der S-Bahn-Trasse. Dieser armseligen Behausung und der tristen Großstadtrealität draußen entflieht Avetik durch ausgedehnte Träume und Ausflüge in eine surreale Welt. Einmal reitet ein längst verstorbener armenischer König in die enge Stube. Er hat einen Falken in der Hand und trägt golddurchwirkre Kleider. Er spricht zu Avetik über das tragische Schicksal ihres Volkes. Dann wieder reist der Regisseur zurück in die eigene Erinnerung. Der Hauptdarsteller geht über die graue Straße direkt hinein in die grünumwobene Welt seiner Kindheit. Dort schreitet der bärtige Vater von Avetik, auf der Suche nach seinen Schafen, durch eine grandiose Eiswüste, in der Räder, Glühbirnen und Blechdosen herumschwirren. Es folgen stumme Bilder vom Bürgerkrieg und demschrecklichen Erdbeben in dieser Region. Dazwischen mystisch anmutende Sequenzen mit halbnackten Figuren auf prunkvollen Stoffen, die alten Darstellungen des Kamasutra entsprungen scheinen. Inspiriert von der Ikonenkunst seines Volkes schafft der Armenier Don Askarian einen sehr wortkargen und auch fast musiklosen Film in warmen Erd- und Goldtönen. Eindringlich wird das Leiden an der Fremde und die Sehnsucht nach einer Heimat in seltsame, schöne Bilder geformt. Sab Schönmayr ab 4.11.; Kinos siehe S. 64 |