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| Kritiken - Deutsch | |
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Gottinger Woche 10.02.89 BODO SCHÖNFELDEREin Festival für den NachwuchsZehn
Jahre Max-Ophüls-Preis
"Vom 24. bis 29. Januar fand in Saarbrücken zum zehnten Mal
das Filmfestival für den Max-Ophüls-Preis statt. Nach anfänglichen Problemen
hat es sich mit seinem Wettbewerb als das bundesdeutsche Festival für den
deutschsprachigen Nachwuchsfilm durchgesetzt.
Beim diesjährigen Jubiläum wurde dies von ca. 20.000 Zuschauern honoriert,
300 Akkreditierungen waren auch Rekord - die Veranstaltung platzte aus
allen Nähten. Da machte sich leider das Fehlen einer Infrastruktur
für ein Großfestival bemerkbar. Es gibt keine richtigen
Festivallokale, in denen man vernünftig miteinander
reden könnte. Der Treffpunkt Lolas
Bistro, dieses Jahr aus Kapazitätsgründen in das Foyer der
Stadthalle verlegt - zu kalt für Atmosphäre. Filmemacher wurden schlecht
oderiert, talk-showähnlich
platt und effekthascherisch vorgestellt. Kaum jemand hörte zu, dazu war es auch zu laut.
Verbesserungswürdig auch
die Vorführtechnik in den Kinos - einiges liegt im Argen, was die
Veranstalter bei einem weiteren Anwachsen des Festivals dringend beheben
müssten. Die Preisverleihung glich anderen Veranstaltungen dieser
Art. Fernsehmoderatoren mit nichts-wissen-wollenden Fragen, Schaufensterreden
von Prominenten. Der größte Teil des Publikums bei der Preisverleihung
hatte wohl keinen einzigen der Filme gesehen. Die
Publicityveranstaltung um Robert van Ackeren, von dem eine
Werkschau im Rahmenprogramm lief, gehörte zum peinlichsten, wobei van
Ackeren den dümmlichen Fragen der Journalisten in nichts nachstand.
"Ich finde für mich die Art und Weise wichtig, wie ich Filme
mache, war eine seiner lichtvolleren Ausführungen. Diese Kritik, so notwendig sie auch ist, bezieht sich
nicht auf das Eigentliche des Max-Ophüls-Preises, die Auseinandersetzung mit den Filmen. Auch wenn das Gesamtniveau
niedriger war als in den
vorangegangenen Jahren, gab es ausreichend Wichtiges
zu entdecken. Und schließlich ist eine Festivalleitung nicht für die
Qualität aller produzierten Filme verantwortlich. Komitas, der Eröffnungsfilm von Don Askarjan, setzte einen Maßstab, an dem sich die folgenden Filme messen lassen mußten. Nur die wenigsten hielten dem Vergleich stand. In langen, ausgeklügelten Fahrten widmet sich der Film dem armenischen Mönch und Komponisten Komitas, der 1915 nach dem Völkermord an seinem Volk verstummte und aufhörte zu komponieren. Die letzten 20 Jahre seines Lebens verbrachte er in Ncrvenkliniken. Im Film ist Komitas der Beobachter und Wanderer in der Welt der armenischen Kultur und beim Genopzid. Tableuartige Bilder stellen stark verschlüsselt und extrem stilisiert Ausschnitte der armenischen Kultur und des Leidens des armenischen Volkes vor. Dazwischen Szenen in den Heilanstalten und bei Freunden und Verwandten. Die langen Kamerafahrten verändern nachvollziehbar die Komposition der Tableaus, heben neue Details hervor. Ein Reichtum der Bilder entfaltet sich, eine melancholische Stimmung und Trauer durchzieht den Film, der den zwei Millionen ermordeten Armeniern gewidmet ist. In Armenisch gedreht, kam der Film wohl nur als Westberliner Produktion in den Wettbewerb, allein der kirchlichen Jura war er einen Preis wert. BODO
SCHÖNFELDER |