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| Kritiken - Deutsch | |
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BZ. 4. NOVEMBER 1993 / SEITE 66 Da wird der triste Alltag zum Vergnugen
Ein Junge tröpfelt aus seinem luftigen Versteck Honig auf die nackte Brust einer schlafenden Schönheit im Gras. Ein Zitronen-Falter klebt daran fest. Der Film „Avetik" des armenischen Regisseurs Don Askarian verzaubert durch Bilder. Erzählt wird die Geschichte des nach Berlin emigrierten Filmemachers Avetik, der sich in seinen Träumen nicht nur in seine Kindheit, sondern auch in die armenische Geschichte verirrt. Faszinierende Landschaftsaufnahmen, lichtdurchflutete sinnliche Bildkompositionen, wie das einen Fluß hinabtreibende, in erotischer Stellung ver-harrende Liebespaar, verknüpfen sich zu einem filmischen Gedicht. Worte
und Musik werden nur sparsam eingesetzt. Die Kraft der geheimnisvollen
Bilder steht im Vordergrund. Selbst der triste Alltag in Berlin wird zu
einem ästhetischen Vergnügen: wenn die S-Bahn fast durchs Zimmer rattert,
die Vorhänge und die Filmstreifen im Zugwind flattern, der Oberkörper
einer nackten Frau durch eine Diaprojektion
wie mit
orientalischen Stichen tätowiert scheint. Doch allzuviel
Schönheit ermüdet auf die Dauer. Nicht immer erschließen
sich die episodenhaften Szenen dem rätselnden Betrachter. Weniger wäre
mehr gewesen. (Steinplatz,
Moviemento 2 Sabine Klier |