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| Kritiken - Deutsch | |
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BZ
04.11.1993
Don Askarian aus Armenien drehte „Avetik"
Als
Kind spielte der Armenier Don Askarian (44) mit Film geschnipseln.
Damals muß ihn die Kinoleidenschaft erwischt haben. Das Filmmuseum
Potsdam (Marstall, Tel.: 0331/23 675) zeigt vom 10. bis 14. November
eine Retrospektive seiner Filme „Der Bär",
„Komitas" und „Avetik". Zusätzlich wird im Foyer eine
Fotoausstellung mit den schönsten Bildern aus seinen Filmen gezeigt. Askarian
war stolzer Besitzer einer 1000 Film-Bildchen umfassenden Sammlung, die er
auf Bindfäden aufgezogen hatte. Lieferant war sein Onkel, ein Filmvorführer,
der bei gerissenen Filmen immer ein
paar Schnipsel beiseite bringen konnte. „Auf
unserer Tausch-Börse war ein Kuß in Nahaufnahme teurer als drei
"Amerikaner", erzählt Askarian schmunzelnd. Er ging nach Moskau, um Geschichte und Kunst zu
studieren. Arbeitete danach als Regieassistent und Filmkritiker. Zwei Jahre saß er in der Türkei im Gefängnis - wegen Regimekritik. 1978 emigrierte er nach Berlin. Doch seine armenische Geschichte hat ihn nie losgelassen. In seinem neuesten Film „Avetik" wird der Volkermord von 1915 thematisiert: „Das war der erste staatlich ge plante Völkermord. Immerhin wurden 2 Millionen Armenier durch die türkischen Machtha jber abgemetzelt. Das ist bist heute weder gesühnt noch geschichtlich aufgearbeitet worden. Unter schwierigsten Bedingungen drehte das Filmteam eineinhalb Jahre in den armenischen Krisenregionen, oftmals unter Lebensgefahr. „Junge Soldaten besserten ihren Sold bei uns als Statisten auf. Wir freundeten uns mit ihnen an. Die Nachricht, daß sieben von ihnen kurze Zeit später im Kampf gefallen sind, traf uns schwer." Seine sonst so energiegeladene Stimme bricht. Diese tiefverankerte Wehmut merkt man dem Film nicht an. Askarian
überrascht mit einer gewaltigen, vor Sinnlichkeit überquellenden
Bilderflut. „Mein Beruf besteht darin, filmisch intensive, magische Orte
zu finden. Man kann nicht erklären, warum eine Stelle einen magisch
anzieht." Einer der magischsten Film- Orte in Berlin ist für ihn eine
Shell-Tankstelle in der Kantstraße. Blickt man durch ihre friste Werkhalle, schaut man auf einen prächtigen Baum. „Das ist wie ein Magnet für
mich. Es ist ein Geschenk Berlins an Die
optische Wirkung ist für ihn entscheidend. „Ich will keine klischeehaften
Film-Stories erzählen. Das Leben ist doch viel komplizierter und umfangreicher. Nimm meinen Film einfach,
als Erlebnis", erklart Askarian.' Und:
„Ein Film ist wie ein Gespräch zwischen zwei Menschen. Ich mag keinen
moralischen Zeigefinger. Das ist wie eine Ohrfeige für den Zuschauer, da
schlage "Drei Jahre lang arbeitete Askarian an seinem Film. Er ist verantwortlich
für Drehbuch, Regie, Schnitt und als künstlerischer Direktor. Größte
Hilfe und moralische Stütze ist seine Freundin. Askarian: „Mit meiner
Lebenspartnerin Märgarita Woskanian habe ich eine mittelalterliche
Arbeitsgemeinschaft." Sabine Klier |