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FAZ, 12.11.1993

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Der Tagesspiegel, 23.11.1993

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BZ 04.11.1993  

 

Don Askarian aus Armenien drehte „Avetik"

 

Als Kind spielte der Armenier Don Askarian (44) mit Film ge­schnipseln. Damals muß ihn die Kinoleidenschaft erwischt haben. Das Filmmuseum Potsdam (Marstall, Tel.: 0331/23 675) zeigt vom 10. bis 14. November eine Retrospektive seiner Filme „Der Bär", „Komitas" und „Avetik". Zusätzlich wird im Foyer eine Fotoausstellung mit den schönsten Bildern aus seinen Filmen gezeigt.

Askarian war stolzer Besitzer einer 1000 Film-Bildchen umfassenden Sammlung, die er auf Bindfäden aufgezogen hatte. Lieferant war sein Onkel, ein Filmvorführer, der bei gerisse­nen Filmen immer ein paar Schnipsel beiseite bringen konnte. „Auf unserer Tausch-Börse war ein Kuß in Nahaufnahme teurer als drei "Amerikaner", erzählt Askari­an schmun­zelnd. Er ging nach Moskau, um Geschich­te und Kunst zu studieren. Arbeitete da­nach als Regie­assistent und Filmkritiker.

Zwei Jahre saß er in der Türkei im Gefängnis - wegen Regimekritik. 1978 emigrierte er nach Berlin. Doch seine armenische Geschichte hat ihn nie losgelassen. In seinem neuesten Film „Avetik" wird der Volkermord von 1915 thematisiert: „Das war der erste staatlich ge plante Völkermord. Immerhin wurden 2 Millionen Armenier durch die türkischen Machtha jber abgemetzelt. Das ist bist heute weder gesühnt noch geschichtlich aufgearbeitet worden. Unter schwierigsten Bedin­gungen drehte das Filmteam eineinhalb Jahre in den armenischen Krisenregionen, oftmals unter Lebensgefahr. „Junge Soldaten besserten ihren Sold bei uns als Statisten auf. Wir freundeten uns mit ihnen an. Die Nachricht, daß sieben von ihnen kurze Zeit später im Kampf gefallen sind, traf uns schwer."

Seine sonst so energiegeladene Stimme bricht. Diese tiefverankerte Wehmut merkt man dem Film nicht an.

Askarian überrascht mit einer gewaltigen, vor Sinnlichkeit überquellenden Bilderflut. „Mein Beruf besteht darin, filmisch intensive, magische Orte zu finden. Man kann nicht erklären, warum eine Stelle einen magisch anzieht."

Einer der magischsten Film- Orte in Berlin ist für ihn eine Shell-Tank­stelle in der Kantstraße. Blickt man durch ihre fri­ste Werkhalle, schaut man auf einen prächtigen Baum. „Das ist wie ein Ma­gnet für mich. Es ist ein Ge­schenk Berlins an meinen Film."

Die optische Wirkung ist für ihn ent­scheidend. „Ich will keine klischeehaften Film-Stories erzählen. Das Leben ist doch viel kompli­zierter und umfangrei­cher. Nimm meinen Film einfach, als Erlebnis", erklart Askarian.'

Und: „Ein Film ist wie ein Ge­spräch zwischen zwei Menschen. Ich mag keinen moralischen Zeigefinger. Das ist wie eine Ohrfeige für den Zuschauer, da schlageich zurück. Der Mensch soll selbst denken und fühlen, seinen eigenen Standpunkt finden. Der Regisseur ist nicht klüger als der Betrachter.

"Drei Jahre lang arbeitete Aska­rian an seinem Film. Er ist verantwortlich für Drehbuch, Regie, Schnitt und als künstleri­scher Direktor. Größte Hilfe und moralische Stütze ist seine Freundin. Askarian: „Mit meiner Lebenspartnerin Märgarita Woskanian habe ich eine mittelalterliche Arbeitsgemeinschaft."

Sabine Klier